History of Breaks Part One
Die Geschichte der Breaks 2 - Hardcore
Die Geschichte des BreakBeat - tja, eine verwirrendes Bild, das sich bei ein wenig Recherche dem Interessierten bietet. Sind die Ursprünge noch deutlich auszumachen, so verliert sich der Faden schnell in den Wirren der explodierenden europäischen Clubkultur der späten 80’er und 90’er Jahre, mit dem wahnwitzigen Tempo der sich immerzu ändernden Musikgenres. An dieser Stelle einer nachvollziehbaren, zeitlichen Abfolge tritt die Gleichzeitigkeit – Breaks waren überall dabei - als Facette oder als bestimmendes Stilelement tauchten sie an allen Ecken und Enden auf und verschmolzen in einem Phänomen, das wie ein großer Staubsauger alle Einflüsse aufsog, dessen es habhaft werden konnte. Ein Phänomen, das den BreakBeats einen festen Platz auf den Tanzflächen der Clubs sichern sollte, und das maßgeblich die Club- und Musikkultur, wie wir sie heute kennen, prägte und formte. Die Rede ist von Hardcore.
Mit der Geburt von HipHop 1974, in der New Yorker Bronx, rückten BreakBeats erstmals in die zentrale Rolle einer radikal neuen, musikalischen Jugendkultur, die schnell ihren weltweiten Siegeszug antrat. Anfang der 90‘er war HipHop ein weltweites Phänomen und auf beiden Seiten des Atlantik zeigte die Macht des BreakBeat ihre unwiderstehliche Wirkung. Spätestens mit der ersten Ausstrahlung von MTv’s Rap-Show “Yo” ,1988, war der kommerzielle Erfolg offensichtlich. Aber HipHop war nicht die einzigen Exportschlager aus den Clubs der U.S.A., die auf offene Ohren und tanzwillige Füße trafen. Gleichzeitig, unbemerkt von Öffentlichkeit und Musikindustrie, war eine noch machtvollere Welle neuer Musik in die europäischen Clubs geschwappt, die ihren Ursprung in den Köpfen Detroits und den Clubs Chicagos gefunden hatte: AcidHouse und Techno.
Schlugen die ersten Versuche der englischen DJs das Vakuum, welches durch dem Niedergang von Rare Groove in die Musiklandschaft der UK Clubs gerissen worden war, mit der neuen, fremden Musik aus den USA. zu füllen noch fehl, so zeichnete sich 1987 mit Nummer Eins Hits wie M/A/R/S’ “Pump The Volume” und S’Express’ Nummer Zwei Hit “Theme From S’Express” die Ausläufer erste AcidHouse Welle in England ab, die durch DJs wie Paul Oakenfold und Danny Rampling mit ihren Clubnächten “The Future” und “Shoom” und durch die Entdeckung von Ecstasy als Partydroge schnell an Dynamik gewinnen, und 1988, im “Second Summer of Love”, ihren ersten Höhepunkt finden sollte. 1990 brachte eine zweite, noch größere Welle eigener, radikal neuer Musik hervor, die mit den Idealen Chicagos und Detroits Brach und die mit ihrer rohen Energie und ihrem offenen Hedonismus ihre Unabhängigkeit in einem Lustschrei tausender, tanzender Raver herausbrüllte - Hardcore.
Also doch ein einfaches Bild? Die Geschichte von Breaks ist gleich der von Hardcore? Da kann man nur deutlich “jein” sagen. Genauso verwirrend vielfältig der heutige Zoo aus Stilen und Vorlieben ist, genauso viele Versionen wird man davon hören, was Hardcore eigentlich war. Weniger ein feste umrissenes Genre als eine Lebenseinstellung umfasste Hardcore Ende 1993 so verschiedene Genres wie den nordenglischen Bleep & Bass, die südlichen, auf Breaks bauenden HipHouse und Ragga Techno, Pop Rave a la Shades of Rhythm, den Belgisch-Deutsche Tekkno und nicht zuletzt die sich ankündigende Revolution des Hardcore Jungle. Allesamt auf andere Akzente setzend, aber dennoch stets eng miteinander verknüpft, bildeten sie die Bühne für die rasanteste Entwicklungsphase elektronischer Clubmusik die es bis heute gegeben hat, und schufen einen festen Platz für BreakBeats auf den Tanzflächen der Clubs.
Low Frequency Oszillations – Bleep & Bass Wenn man heute über BreakBeats redet, egal welcher Geschwindigkeit, wird man über kurz oder lang auf ein Thema zu sprechen kommen: Den Bass. Bässe von weich bist hart, sägend, bohrend, würgend, knarzend, schraubend, drückend, wobbernd........ Bass eben. Wenn man Deutschland in einem Atemzug mit Techno nennt, dann ist es bei England der Bass, eine Wissenschaft, die mit Hardcore ihren Anfang im Norden der Insel, genauer in Sheffield, fand. Inspiriert von Unique 3’s Subbassmonster “The Theme” hoben Steve Becket und Rob Mitchell das inzwischen legendäre Labe Warp aus der Taufe und widmeten sich der Erforschung des Bass. Tiefe Frequenzen, Low Frequency Oszillations oder einfach LFO war bezeichnenderweise der Name eines der ersten und erfolgreichsten Acts auf Warp. LFO aka Mark Bell und Gez Varley schufen bei ihrer Suche nach dem ultimativen Tiefenrausch eine Unzahl bis heute unvergessener Klassiker, darunter ihren wohl bekanntesten Track: “LFO”. Die Experimente die Bässe dicker, fetter und mächtiger wirken zu lassen führten zu so exotisch anmutenden Methoden wie die Nutzung der Testtöne von Samplern, was sich in Tracktiteln wie “Testone” von Sweet Excorcist widerspiegelte. Klassiker wie Nightmares On Wax’s “Aftermath”, 808 States “Cubic” und Orbitals “Chime” verdanken der Bassforschung im Warp-Umfeld ihre Entstehung und prägten den Hardcore-Sound des Nordens: Bleep & Bass.
Shut Up And Dance’s schneller HipHop Während im Süden den tiefen Frequenzen die volle Aufmerksamkeit galt, beschritt man im Norden andere Wege. Der durch schwarze Musik geprägtem Großraum London, mit seinen Einflüssen von HipHop, Funk und Northern Soul’s Rare Groove, war das zu Hause von zwei jungen Schwarzen, PJ und Smiley, besser bekannt als Shut Up And Dance (SUAD). Auf ihrem gleichnamigen Label veröffentlichten sie Tracks in denen BreakBeats an die Stelle programmierter Beats traten. Hatte es auch schon vorher Experimente in diese Richtung gegeben, unter anderem durch solche Heroen wie Tod Terry, Franky Bones, Lenny D oder Fast Eddie und Tyre, so sollte es SUAD vorbehalten sein den BreakBeats im Dancefloorkontext zum Durchbruch zu verhelfen. Ihre Herangehensweise traf dabei ins Herz des “Do It Yourself”-Ethos des Hardcore. Im Cut&Paste-Stil, nur ausgerüstet mit Plattenspielern, Sampler und Sequenzer, machten sie sich ans Werk und begannen damit Def Jam Platten von 100 BPM auf 130 BPM zu pitchen und darüber zu rappen. Diese Methodik war auch Ausdruck ihres Selbstverständnisses, in dem sie sich mehr als schnelle HipHop-Crew sahen, denn als Teil des Rave-Kultur, von der sie sich, nicht zuletzt wegen derer offenen Drogenverherrlichung, distanzierten. Tracknamen wie: “Here comes a different Type of Rap Track, not the usual 4 Bar Loop Crap” waren eindeutige Statements in diese Richtung. Aber nicht nur Drogen wurde in SUADs Texten kritisiert, auch sozialkritisches, Rassismusprobleme und die zunehmende kommerzielle Ausbeutung von elektronischer Tanzmusik wurden in Texten thematisiert. Trotz ihres zwiespältigen Verhältnisses zur Rave-Kultur wurden sie von dieser mit offenen Armen aufgenommen und der von ihnen losgetretene Hardcore-Trend des HipHouse zu einem riesigen Erfolg, der in SUADs Track “Raving, I’m Raving” gipfelte. Als Parodie auf den Partyzirkus gedacht, wurde der Track schnell zu einer Hardcore-Hymne, zu SUADs größtem Triumph und gleichzeitig zum vorläufigen Sargnagel ihrer gerade begonnen Karriere. “Raving. I’m Raving” basierte in großen Teilen auf “Walking in Memphis”, einem Stück von Marc Cohen, der SUAD auch prompt auf Unterlassung und Schadensersatz verklagte, da diese großzügigerweise darauf verzichtet hatten, sich die Erlaubnis von Cohens Plattenfirma für ihre Samples zu holen. Der folgende Rechtsstreit und die damit verbundenen Kosten nahmen SUAD vorläufig aus dem Geschäft, bis sie entnervt 1994 mit dem Statement “Phuck the Bizz” wieder auf der Bühne erschienen. Nichtsdestotrotz war es SUAD gelungen eine Lawine neuer auf BreakBeats basierender Tracks loszutreten, so unter anderem auch von den auf ihrem Label gesignten Ragga Twins, die mit ihrer Kombination B-Boy-Breaks, Dancehall Raggae Toasating, Dub-Bässen und EuroTechno-Riffs die aufgehende Sonne von Jungle an den Horizont malten.
Energy Flash – Hardcore Tekkno Mit Südenglands Bleep & Bass oder dem HipHouse des Nordens hatte der Weg, den Hardcore auf dem Festland einschlug wenig gemein. Die Achse Belgien-Deutschland um legendäre Labels wie R&S und PCP führten mit Acts wie Lenny D, Mundo Muzique und Joey Beltram Hardcore in härtere Gefilde, indem sie ihre EBM- und Industrial-Einflüsse mit Techno zu einer schnelleren, aggressiveren und energiegeladeneren Mischung verschmolzen. Beltrams “Energy Flash” und vielleicht wichtiger Second Phase’s (Beltram & Mundo Muzique) “Mentasm” waren frühen Hymnen dieser neuen Hardcore-Kultur, in der Härte und Geschwindigkeit en vogue waren und sich in Begriffen wie Tekkno manifestierten. Vor allem “Mentasm” wurde wegen des berühmten Mentasm-Stabs zu einer der Schlüsseltracks für alle Hardcore-Genres. Der markzerreißende Sound des Mentasm-Stabs, der in Tracks wie T99s “Anasthasia” oder Cubic 22s “Night in Motion” seine Höhepunkte fand, wurde zum vereinenden Markenzeichen einer ganzen Generation von Hardcore-Produzenten diesseits und jenseits des Ärmelkanals und beeinflusste auch BreakBeat-Acts wie 4 Hero, Doc Scott und Rufige Cru (Goldie), die kurz darauf ihre entscheidende Rolle in der Entstehung von Jungle, der Vorform des heutigen Drum & Bass, spielen sollten.
Auf dem Weg in die Charts – Hardcore wird Mainstream 1992 hatte sich Hardcore endgültig zu einem eigenständigen Genre entwickelt, das vor allem in England auf BreakBeats und Samples beruhte und mit Acts wie Altern 8, Moby, Human Resource, Shades of Rhythm und nicht zuletzt Prodigy zunehmend den Durchbruch in den Mainstream schaffte. Im Januar ’92 schoss Prodigy’s “Everybody In The Place” geradewegs auf die Nummer Zwei der UK Charts, etwas, das ihnen im gleichen Jahr noch SL2 mit “On A Ragga Tip” und Shut Up And Dance mit dem schon erwähnten “Raving I’m Raving” gleichtaten. Prodigy’s Liam Howlett, Keith Flint und Maxime Reality, repräsentierte eine etwas glattere, massenkompatiblere Form des Hardcore, ohne diesen jemals wirklich zu verlassen, und wurden so eine der einflussreichsten BreakBeat Acts überhaupt, denen, nach drei Top 5 Hits, als erster Hardcore-Crew mit “Experience” der Triumph eines kommerziell erfolgreichen Albums vergönnt war. Wenn es vorher noch nicht der Fall gewesen sein sollte, so hatten spätestens jetzt die BreakBeats ihren festen Platz im Dancefloor-Bizz sicher. Speedfreaks – Ab in den Jungel Während sich die großen Ravehymnen ihres zunehmenden Charterfolgs freuten, entstand in London, unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit, eine neue, radikalere Form des Hardcore. Mit hektischen BreakBeats, Dub-Raggae-Bässen und hochgepitchten Vocal-Samples standen diese Tracks zwar in der Tradition des von Shut Up And Dance gerprägten BreakBeat-House, waren aber mit ihrer Betonung der Beats und der Bässe ungleich aggressiver und energiegeladener, und gaben der Musik eine künstliche, bwusstseinsverändernde Qualität, die SUADs schneller HipHop nie erreichte. Ohne den sozialkritischen Ballast der Vorgänger zu übernehmen, schufen vor alle schwarze Produzenten einen Musikstil, mit dem sie ihr Erleben des Urbanen Jungels desillusioniert in Klang und Rhythmus gossen. Und es wurde schnell. Spätestens ab 1992 war Hardcore auch eine Kultur der Geschwindigkeit. Wartete Anfang 1991 der durchschnittliche Ravetrack noch mit lockeren 125 BPM auf, so waren Ende 1992 150 BPM keine Seltenheit mehr. Die DJs pitchten ihre Tracks auf umgebauten Plattenspielern bis +20, auf der Suche nach dem ultimativen Kick. Das hohe Tempo veränderte die Musik, verschmolz die Elemente zu einer Masse aus rhythmisch pulsierendem Sound, Beltram-Stabs, Italo-Piaono-Riffs und gepitchten Vocals. Labels wie Moving Shadow, Suburban Bass, Reinforced und Produzenten wie Rob Playford, Andy C, Goldy aka Rufige Cru, Hyper on Experience, Hype und viele, viele mehr trieben diese neue Form des Hardcore in ihrem Wettkampf um den neusten, innovativsten Sound in einem wahnwitzigen Tempo voran. “I bring you the Future, the Future, the Future” hämmerte das Vocal von Noise Factory’s “Breakage #4”, und sie sollten sich nicht geirrt haben. Dieser Sound wurde die Grundlage für die erste ganz große Stunde des BreakBeat und die Cover des Labels Ibiza trugen prophetisch das Wort, das der neuen Bewegung ihren ersten Namen geben sollte: Junglizm
Copyright Dr. Schmidt / Erschienen im Magazin: der Breakser written & copyright by Dr.Schmidt!
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