History of Breaks Part One
The History of BreakBeat Teil I – „Fever in da‘ Bronx“
Um zu verstehen wohin man geht, muss man zuerst wissen woher man kommt. Das wird auf jeden Fall von vielen Historikern behauptet, wenn man sie fragt, warum sie für das, was sie so den ganzen, lieben Tag treiben, überhaupt Geld bekommen. Aber seien wir doch mal ehrlich: Wer hätte sich noch nicht gefragt, warum wir uns über das Tierreich erhoben haben (zu 90% wenigstens), warum die Dinge so sind wie sie sind, oder ganz einfach woher so geniale Dinge wie das Kondom, Mottenkugeln oder die Wasserspülung eigentlich herkommen. Da dies alles Themen sind die, obwohl durchaus reizvoll, hier völlig fehl am Platze wären, widmen wir uns doch lieber einer passenderen Frage: Woher kommen eigentlich unsere heiss geliebten Breakbeats?
Knifflig. Wo soll man da Anfangen? Wie wäre es mit dem klassischen Satz: „Everything began with the drum“? Und in der Tat ist die Geschichte des rhythmischen Trommelns durchaus auch eine Geschichte, die eng mit der Menschwerdung an sich verknüpft ist. Aber die Frage wann der erste Australopithekus auf seinen Streifzügen durch die Savannen des vorzeitlichen Afrikas zum ersten mal feststellte, dass es, wenn man mit seinem Kopf gegen einen holen Baum schlägt, nicht nur unheimlich weh tut, sondern auch überaus interessant tönt, diese Frage lässt sich wohl aus heutiger Sicht der Dinge nicht mehr eindeutig beantworten, und würde zudem den Rahmen unseres überaus bescheidenen Magazins sprengen. Also wo Anfangen? Was war der Beginn dessen, was wir unter dem heutigen Begriff des Breakbeats verstehen? Um das zu klären ist es vielleicht besser, sich kurz von der Geschichte des Beats an sich zu trennen und zu fragen, wann den eigentlich das Wort „Breakbeat“ zum ersten mal im modernen Kontext auftauchte. Ja, probieren wir es so.
Vor dem Breakbeat gab es das Break. Dieser aus dem Jazz stammende Begriff bezeichnete genau jene Passagen in Musikstücken, in denen alle anderen Instrumente in den Hintergrund traten, damit einzig und allein der Beat seine magisch Wirkung voll entfalten konnte. Somit ist der Name „Break“ in seinem ursprüngliche Sinne als Pause zu verstehen, in der einzig und allein das Drum-Solo die Bühne beherrschte. Breaks waren Ende der 1960‘er und Anfang der 1970‘er fester Bestandteil von Funk, und nicht zuletzt Jabo Starks und Clyde Stubblefield, die Drummer des „King of Funk“ James Brown, zeigten in mit ihren Schlagzeugsolos, was die Beats vermochten. Damit wäre wohl der zeitliche Rahmen für die den ersten Auftritt von Breakbeat gesetzt, und es fehlen eigentlich nur noch zwei Dinge um mit der Show zu beginnen: Die Bühne und die Akteure.
Die Bühne für dieses Schauspiel bot in den frühen 70‘er Jahren die Bronx, der berüchtigte New Yorker Stadtteil, der noch heute den Wissenden ein Leuchten in die Augen zaubert. Die beteiligten Hauptdarsteller sind auch schnell ausgemacht: Die Breaker, Breakdancer oder einfach B-Boys und ein hünenhafter, junger Farbiger jamaikanischer Abstammung namens Clive Campbell, heute besser bekannt als der Mann der einst HipHop erfand, der legendäre DJ Kool Herc.
Wie bei viele bahnbrechende Entdeckungen in der jüngeren Musikgeschichte erblickten auch die BreakBeats auf einer schweissgetränkten Tanzfläche das Licht der Welt, dem Dancefloor des Clubs „Fever“. Versetzen wir uns also in jene Nacht 1974, in die West-Bronx, auf die Tanzfläche des Fever. Kool Herc steht hinter den Plattenspielern, das Haus ist voll gepackt und es wird fleißig getanzt, oder besser ge-hustlet.
Der Hustle war der angesagte Paartanz der ausklingenden Disco-Ära und entsprechend war auch die Auswahl an Platten die Herc zum Besten gab: späten Funk und Disco. Aber nicht alle beteiligten sich am regen Treiben auf der Tanzfläche. Einige wenige Trainspotter am Rande der Tanzfläche warteten stets ruhig und vom Geschehen kalt gelassen auf ihren großen Moment: das Break. Die energiegeladenen Rhythmuspassagen waren die Musik zu ihrem Auftritt, der Show der BreakDancer. Breaken oder Break-Dancing war die Möglichkeit für diese Jungs die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, für ein paar wenige Momente umringt von Hustlern die Stars des Abends zu sein, und bei ihren artistischen Auftritten erreichte die Energie auf der Tanzfläche regelmäßig ihren Höhepunkt und die Stimmung schien zu explodieren. Das entging natürlich einem aufmerksamen DJ wie Kool Herc nicht, und an jenem legendären Abend versuchte er ein Experiment. Getrieben vom Willen das zu verlängern, was die Breaker für ihre Show benötigten, hatte er darüber nachgedacht wie das zu bewerkstelligen sei, und an jenem Abend 1974 mixte er zum ersten mal, mit Hilfe zweier Plattenspieler und eines primitiven Mixers, die Rhythmuspassagen, die Breaks verschiedener Tracks nahtlos hintereinander. Das Publikum flippte, die Breaker rasteten aus, die Tanzfläche explodierte.
Von da an war ein neues Erfolgsrezept, ja ein völlig neuer völlig neuer Musikstil: den Breakbeat, die Wurzel von HipHop, Drum&Bass und dem was wir heute unter Breakbeat verstehen. Kool Hercs Vorbild machte schnell Schule und inspirierte zahlreiche DJs es ihm gleich zu tun und diese neue Musik zu formulieren und zu gestalten. Auch wenn Hercs Art zu Mixen aus heutiger Sicht rudimentär und primitiv wirken mag, denn von Beatmixen konnte keine Rede sein, so verdient er dennoch zu Recht den Titel: „Originator“. 20 Jahre danach luden die Chemical Brothers den zu diesem Zeitpunkt längst von der Bühne abgetretenen Koool Herc als Gast-DJ nach London ein, um eine ihrer Shows zu eröffnen, und zollten damit dem Mann Respekt, der den Grundstein auch ihrer Musik gelegt hatte: Dem Erfinder des Breakbeat.
Autor: Dr. Schmidt (Augsburg/D), Mit freundlicher Genehmigung vom Breakser Mag, wo der Artikel im November 2002 erschienen ist.
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